Selektive Bekämpfung: Präzision statt Chemie
Vom Finden zum Handeln
Das beste Monitoring nützt wenig, wenn daraus keine gezielten Maßnahmen folgen. Im Projekt aimGRASSLAND ist die präzise Datenerfassung daher nur der erste Schritt. Sobald die Künstliche Intelligenz eine Problempflanze wie das Jakobskreuzkraut lokalisiert und verortet hat, greift die zweite Stufe unseres Systems: die selektive Bekämpfung (Controlling).
Unser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Methoden. Anstatt eine ganze Fläche zu mulchen oder breitflächig Herbizide auszubringen, konzentrieren wir uns auf die einzelne Pflanze. Das Ziel ist ein minimalinvasiver Eingriff, der das unerwünschte Unkraut effektiv entfernt, während die umliegende Grasnarbe und wertvolle Kräuter unberührt bleiben.
Technologie-Vergleich im Praxistest
Es gibt nicht "die eine" Lösung für jedes Unkrautproblem. Deshalb legen wir uns im Projekt nicht vorschnell auf ein einziges Verfahren fest, sondern evaluieren verschiedene physikalische und mechanische Methoden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Energieeffizienz und Praxistauglichkeit.
In unseren Versuchsreihen untersuchen wir unter anderem:
- Mechanische Verfahren: Hierbei kommen Werkzeuge wie rotierende Klingen, Schermesser oder spezielle Aushebesysteme zum Einsatz, die die Pflanze samt Wurzelstock aus dem Boden entfernen.
- Elektrische Verfahren (Electro-Weeding): Bei dieser Methode wird die Pflanze durch einen gezielten Stromstoß (z.B. mittels einer Elektro-Lanze) bis in die Wurzel geschädigt. Dies verhindert einen Wiederaustrieb besonders effektiv, ohne den Boden umzugraben.
- Thermische Verfahren: Der Einsatz von punktueller Hitze, beispielsweise durch Heißwasser oder Infrarot, zerstört die Zellstruktur der Pflanze.
- Laser-Technologie: Hochpräzise Laserstrahlen werden auf das Wachstumszentrum der Pflanze gerichtet, um sie gezielt abzutöten.
Erprobung auf dem Acker: On-Farm-Research
Laborbedingungen sind wichtig, aber die Wahrheit liegt auf dem Feld. Deshalb finden die Tests unserer Bekämpfungsmethoden nicht nur in Gewächshäusern statt, sondern direkt auf den Flächen unserer landwirtschaftlichen Partnerbetriebe in Hessen und Rheinland-Pfalz.
Dieser "On-Farm-Research"-Ansatz ist entscheidend für den Projekterfolg. Unsere Prototypen müssen beweisen, dass sie auch bei unebenem Gelände, feuchtem Boden und wechselnder Witterung zuverlässig funktionieren. Die Rückmeldungen der Landwirte fließen dabei direkt in die Weiterentwicklung der Aktorik ein. Wir testen beispielsweise, wie gut ein Traktor-Anbaugerät oder ein autonomer Roboter die Werkzeuge steuern kann und ob die theoretisch berechneten Positionen der Pflanzen in der Praxis exakt genug getroffen werden. Nur was im rauen landwirtschaftlichen Alltag besteht, hat eine Zukunft.