Ökologie & Biodiversität: Schutz durch Nutzung

Bildplatzhalter: Blühende Wiese mit Insekten/Schmetterlingen, im Kontrast dazu evtl. eine einzelne Jakobskreuzkraut-Pflanze

Der Konflikt im Grünland

Extensiv genutztes Dauergrünland gehört zu den artenreichsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft. Es bietet Nahrung und Rückzugsorte für unzählige Insekten, Vögel und Kleintiere. Doch dieses Idyll ist bedroht. Die Ausbreitung giftiger Pflanzenarten, insbesondere des Jakobskreuzkrauts (Jacobaea vulgaris), stellt Landwirte vor ein Dilemma. Da die Pflanze leberschädigende Alkaloide enthält, wird das Futter (Heu und Silage) für Rinder und Pferde unbrauchbar.

Wenn die Nutzung der Flächen unwirtschaftlich wird, droht oft die Aufgabe der Bewirtschaftung oder eine Intensivierung – beides schadet der Biodiversität. aimGRASSLAND verfolgt daher das Ziel, die landwirtschaftliche Nutzung dieser wertvollen Flächen zu sichern, um so den Lebensraum zu erhalten ("Schutz durch Nutzung").

Kennarten als Zeiger für Vielfalt

Unser Projekt blickt nicht nur auf die "schlechten" Pflanzen, sondern auch auf die "guten". Ein zentraler Bestandteil unserer ökologischen Analyse ist das Monitoring von sogenannten Kennarten. Das sind spezifische Pflanzenarten, deren Vorkommen anzeigt, wie ökologisch wertvoll und artenreich eine Wiese ist.

Auf den Versuchsflächen unserer Partnerbetriebe trainieren wir unsere KI darauf, diese Kennarten (z.B. Wiesen-Margerite, Kuckuckslichtnelke oder verschiedene Kleearten) automatisiert zu erkennen und zu zählen. Dies ermöglicht ein effizientes Biodiversitäts-Monitoring. Landwirte können so einfacher nachweisen, dass ihre Flächen ökologische Leistungen erbringen, was für Agrarförderprogramme und den Naturschutz immer wichtiger wird.

Bildplatzhalter: Collage von typischen Kennarten (Blumen), evtl. mit KI-Erkennungsrahmen

Schonung der Begleitflora

Der größte ökologische Hebel unseres Projekts liegt in der Selektivität. Herkömmliche Bekämpfungsmaßnahmen gegen Unkräuter haben oft gravierende Nebenwirkungen:

  • Ein früher Schnitt zur Verhinderung der Aussamung des Kreuzkrauts vernichtet oft auch die Blüten anderer Pflanzen, die als Nahrungsquelle für Insekten dienen, und gefährdet bodenbrütende Vögel.
  • Der Einsatz von Herbiziden tötet nicht nur das Unkraut, sondern auch wertvolle Kräuter und Leguminosen.

Durch die punktgenaue Entnahme der Problempflanzen, die wir auf den Testflächen in der Praxis erproben, bleiben die umliegende Vegetation und die dort lebende Fauna ungestört. Wir untersuchen in unseren Feldversuchen begleitend, wie sich die Biodiversität auf den behandelten Flächen entwickelt. Ziel ist es, zu belegen, dass unsere technologische Lösung nicht nur ökonomisch sinnvoll ist, sondern aktiv dazu beiträgt, die Artenvielfalt im Grünland zu stabilisieren und zu fördern.

Bildplatzhalter: Forscher/in bei der Vegetationsaufnahme auf einer Wiese (Bonitur)